Raketenalarm & Hausparty

Gestern war spannend:

Tagsüber erfuhren wir von einer Kollegin auf der Arbeit, dass abends für 30 Scheckel eine “Hausparty” hier in Beer Sheva starten sollte. Sie hat uns natürlich (wie sollte es anders in der web2.0-Generation sein) direkt einen Facebook-Link zu diesem “Public-Event” geschickt. :D

Aus der Beschreibung:

After hosting the craziest parties during the year, Crazy N crew and Golomb 52 are proud to invite you to the last party before the bulldozers ruin the house.
So if you’re in Be’er Sheva and looking for a party, that’s the place to be!!

Monday, 20:00 – Golomb 52.

Please come early – 30 NIS – The bar is open and completely FREE!!!

Boar geil!

Also nach der Arbeit fix frisch gemacht und dann da hin gelaufen.
Das läuft echt genau (!) so ab wie auf einer Sennlichparty. Zahlen, Stempel und dann an der Bar anstehen :P
War ne sehr anständig Sause und der DJ hatte es defintiv drauf.

Gegen 23 Uhr war allerdings Feierabend, da die (selbstverständlich) keine Ausschankgenehmigung hatten und es ohne nach 11 Uhr verboten ist. Echt schade man…

Also alle Leute raus auf den Gehweg, Straße etc. und nach etwa 10 Minuten ging der Raketenalarm los.

Wir drei: “WTF???”

Man hat vom Raketenalarm bis zum Einschlag ziemlich genau 60 Sekunden Zeit um Schutz zu suchen.

Mein Gedankengang: “Oh… Shit… Öhm… Wohin genau?”

Da fakeln die Israelis dann nicht lange^^
Ein Typ schrie uns direkt an “COME! COME!!! THE F***ING GAZA-GUYS!”.
Und wir rennen mit ihm ein Stück und verstecken uns zwischen zwei Autos.
Kurze Zeit später konnte man den Einschlag der Raketen hören und die Gefahr war gebannt.

Danach sind wir noch zu den protestierenden Studenten und der Alltag ging weiter.

Brunnen^^

Es ist schon irgendwie ein komisches Gefühl gewesen.
Heute meinte eine Frau zu uns:
“Ich habe jedes Mal alles geregelt, wenn ich nach Israel fliege.
Wir dürfen nicht vergessen, wo wir hier eigentlich sind.”

Seit vier Wochen bin ich nun hier und einen Raketenalarm gab es dank dem Raketenabwehrsystem Iron Dome bisher noch nicht.
Und ich denke immer noch, dass es in Israel nicht gefährlicher ist als wo anders.

Don´t worry – Be happy :)

VIVA LA REVOLUTION!!!111einself

Owjeah.
Auf der Startseite von tagesschau.de waren heute die Proteste hier in Beer Sheva zu finden. Mitten drauf – Quasi als Headliner! Krasse Sache 8-)

Wir waren natürlich auch da :D
Als wir hin sind kamen uns zwar schon viele entgegen und die große Demo ging gerade ihrem Ende entgegen – aber zur After-Show-Party haben wir es noch geschafft.
Rest ist auch eher unwichtig, da wir ja eh nicht verstehen was die Leute zu erzählen haben. ;)

Unterm Strich lief es dann immer so ab:
1. Eine Frau schnappt sich das Mikrofon und brüllt was hebräisches rein
2. Menge klatscht
3. Sie fängt an אנשים דורשים צדק חברתי (Das Volk verlangt nach sozialer Gerechtigkeit) zu rufen.
4. Menge stimmt mit ein
5. Band spielt ein paar Lieder
6. Kehre zurück zu Punkt 1

Da war auch so eine relativ krasse Reggae-Band… Mal schauen ob ich die noch finde.
EDIT: Hier isses
Ging also gut ab – Hier noch ein paar HD-Fotos^^

Tel Aviv (Proteste, Strand und Trinkgeld =P)

Mitlerweile ist es ja schon relativ groß in den Nachrichten, dass in Tel Aviv die Post abgeht. Wir waren bis gestern für etwa 24 Stunden dort und haben uns das Ganze (unter anderem) mal angesehen.

Trinkgeld

Doch starten wir erst einmal mit etwas anderem ;)

In Israel ist es normal (bzw. es gehört sich) ungefähr 10% Trinkgeld zu geben.
Was für deutsche Kellner das Paradies vor dem Herren wäre, ist dort absolut üblich.
Normalerweise läuft es so, dass man erst das Wechselgeld bekommt und dann ungefähr 10% liegen lässt. Dort wo wir waren, wird die ganze Sache etwas dreister an gegangen:

Da wird einfach 12% drauf geschlagen und ein neuer Preis hin geschrieben :P
Man sieht auch relativ häufig, dass auf der Rechnung pro Person 4-5 Scheckel auftauchen mit der Beschriftung “SECURITY” ;)

Proteste
Nun zu den Protesten:

Vorab ist noch zu erwähnen, dass wir auch in anderen Städten campende Studenten gesehen haben. Hier in Beer Sheva stehen die Zelte und Plakate schon seit mehr als drei Wochen an einer Hauptstraße. Am Tag laufen ein paar von ihnen auf dem Gehweg rum und halten Schilder hoch auf denen “If you support us, HONK!” steht.

Die machen auch schon anständig Krawall, aber in Tel Aviv haben die Proteste ganz andere Dimensionen. Der komplette Rothschild Boulevard (etwa 1,6km lang) ist voller Zelte und Menschen.

Wenn man durch die Zeltlandschaften geht, sieht man Menschen die gemütlich plaudern und trinken.
An einer von vielen Leinwänden läuft ein Film über die
Black Panther Bewegung im Jahr 1971.
Schlechte Inszenierung kann man ihnen also nicht vorwerfen. ;)

An einem Brunnen versteht jemand unsere Unterhaltung und gesellt sich dazu.
Er ist Augenarzt und hat 7 Jahre in Deutschland gelebt.
Lange unterhalten wir uns über Israel, Amerika, Deutschland und andere Staaten.
Sprechen darüber, dass die Proteste durch eine Studentin anfingen die aus ihrer Wohnung geschmissen wurde. Sie zog dann, laut ihm, mit einem Zelt auf den Boulevard und suchte Anhänger bei Facebook. Ob es die Wahrheit ist lässt sich schlecht sagen.

Doch allein darum geht es schon lange nicht mehr.
“Die Ärzte protestieren für mehr Geld, die Mütter für mehr Kindergärten, die Studenten für günstigere Wohnungen… Und die Lesben für weniger Männer.” sagt er.
“Jeder will sein Ziel verfolgen, wenn schon einmal Stimmung ist.”

Nach etwa einer Stunde verabschieden wir uns und ziehen weiter durch die eine oder andere Bar.
Auch wenn es wirklich interessant ist… Genug Revolution und Politik für diesen Abend ;)

Für mehr Informationen zu den Protesten kann ich folgenden Link empfehlen:
Netanjahu ernennt Expertenteam

Strand

Unseren Schlafplatz für diese Nacht haben wir “Open Air” gebucht.
Von 5:20 Uhr an durften wir für 20 Minuten auf einer Liege am Strand schlafen.
Um 5:40 Uhr wurden wir nämlich mit einem “good morning guys!” von einem Strandbar-Kerl geweckt. Er und seine Kollegen fingen an die 30 Millionen Liegen aufzubauen und wir holten uns Frühstück.

Der Rest des Tages ist schnell erzählt: Liege, Meer, Dusche, Liege, Meer Dusche und wieder von vorne.

Abends dann den ersten Bus zurück nach Beer Sheva und Tel Aviv ist geschafft =)

Ich bin gespannt, wie sich das mit den Protesten hier weiter entwickelt.
Spätestens zum Semesterbeginn müsste es ruhiger werden…
Obwohl die Lesben natürlich weiter für weniger Männer protestieren könnten :P

In diesem Sinne: Hauta rinne! :)